Bettwanzen


Bettwanzen (Cimex lectularius) zählen zu den hartnäckigsten Hygieneschädlingen im Wohn- und Beherbergungsbereich. Sie sind nachtaktiv, verstecken sich tagsüber in kleinsten Ritzen und Spalten und ernähren sich vom Blut des Menschen. Ein Befall entsteht häufig unbemerkt, zum Beispiel durch Reisegepäck, gebrauchte Möbel oder Textilien. Da sich Bettwanzen sehr schnell vermehren, kann sich bereits aus wenigen eingeschleppten Tieren innerhalb kurzer Zeit ein massiver Befall entwickeln.


Die Bekämpfung von Bettwanzen unterliegt in Deutschland klaren rechtlichen Vorgaben. Grundlage sind unter anderem die EU-Biozid-Verordnung (EU Nr. 528/2012), das Chemikaliengesetz (ChemG), die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS). Diese schreiben vor, dass Biozidprodukte ausschließlich sachkundig, gezielt und nur im notwendigen Umfang eingesetzt werden dürfen. Der Schutz von Menschen, Haustieren und der Umwelt steht dabei immer im Vordergrund.


Bettwanzen gelten nicht als direkte Krankheitsüberträger, können jedoch durch ihre Stiche starke Hautreaktionen, Juckreiz, Entzündungen und in Einzelfällen allergische Reaktionen auslösen. Hinzu kommt die erhebliche psychische Belastung, die ein Befall für Betroffene darstellt. Schlafstörungen, Stress und Verunsicherung sind häufige Begleiterscheinungen.


Eine erfolgreiche Bekämpfung erfordert daher immer ein strukturiertes, professionelles Vorgehen. Einzelmaßnahmen oder frei verkäufliche Mittel aus dem Handel führen meist nicht zum Erfolg und können die Situation sogar verschlimmern, indem sich die Tiere weiter ausbreiten oder Resistenzen entstehen.

Bettwanzen

1. Schritt

Sichtkontrolle (fachliche Erstaufnahme bei Bettwanzenbefall)
Zu Beginn führen wir eine umfassende Sichtkontrolle aller befallsrelevanten Bereiche durch. Diese ist gesetzlich notwendig, da nach der EU-Biozid-Verordnung (EU Nr. 528/2012) Biozide nur eingesetzt werden dürfen, wenn ein tatsächlicher Schädlingsbefall nachgewiesen ist. Eine Behandlung „auf Verdacht“ ist unzulässig.

Kontrolliert werden insbesondere:

  • Matratzen, Nähte, Etiketten und Unterseiten
  • Lattenroste, Bettgestell, Kopfteil
  • Nachttische, Polstermöbel, Sofas
  • Fußleisten, Ritzen, Steckdosen, Kabelkanäle
  • Bilderrahmen, Tapetenränder, Vorhänge

Dabei achten wir auf:

  • lebende Bettwanzen
  • Häutungsreste
  • Kotspuren (schwarze Punkte)
  • Blutflecken auf Textilien

Ziel der Sichtkontrolle ist:

  • die eindeutige Bestätigung des Bettwanzenbefalls
  • die Ermittlung der Hauptverstecke
  • die Begrenzung der betroffenen Bereiche
  • die Vermeidung unnötiger oder falscher Maßnahmen


Einschätzung der Befallssituation
Auf Basis der Sichtkontrolle erfolgt die fachliche Bewertung des Befalls. Diese ist notwendig, um die Maßnahmen verhältnismäßig und gesetzeskonform festzulegen, wie es das Chemikaliengesetz (ChemG) und die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) vorschreiben.


Bewertet werden:

  • Befallsstärke (Einzelfunde, beginnender Befall, massiver Befall)
  • räumliche Ausbreitung (ein Raum oder mehrere Räume)
  • Dauer des Befalls
  • Verschleppungsrisiken innerhalb der Wohnung oder des Gebäudes


Diese Einschätzung ist entscheidend, um zu klären:

  • ob mechanische und thermische Maßnahmen ausreichen
  • ob eine Kombination mehrerer Verfahren notwendig ist
  • ob und in welchem Umfang Biozidprodukte überhaupt eingesetzt werden dürfen



2. Schritt

Monitoring (systematische Befallskontrolle und Erfolgskontrolle)
Das Monitoring ist fester Bestandteil des integrierten Schädlingsmanagements (IPM) und dient dazu, den Einsatz von Bioziden möglichst gering zu halten. Es ist auch rechtlich erforderlich, um Maßnahmen fachlich zu begründen und zu dokumentieren.


Hierfür setzen wir spezielle Bettwanzen-Monitore und Klebefallen ein:

  • Platzierung unter Bettfüßen
  • an Wandanschlüssen
  • in Nähe der Schlafplätze
  • an Übergängen zwischen Räumen


Die Monitore dienen z.B.:

  • zur Bestätigung der Aktivität
  • zur Kontrolle, ob der Befall noch aktiv ist
  • zur Bewertung des Behandlungserfolgs
  • zur Früherkennung eines Wiederbefalls


Dokumentiert werden:

  • Fangzahlen
  • Fundorte
  • Zeitverlauf der Aktivität


So entsteht eine objektive Entscheidungsgrundlage für:

  • weitere Maßnahmen
  • den Einsatz von Hitzeverfahren
  • den gezielten und minimalen Einsatz von Bioziden


3. Schritt

Nach der Feststellung eines aktiven Bettwanzenbefalls durch das Monitoring wird das weitere Vorgehen gezielt und strukturiert geplant. Grundlage ist dabei immer das Prinzip des integrierten Schädlingsmanagements sowie die Einhaltung der EU-Biozid-Verordnung (EU Nr. 528/2012), des Chemikaliengesetzes (ChemG) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV).


  1. Erstellung eines individuellen Maßnahmenplans
  • Auswertung der Monitoring-Ergebnisse (Fundorte, Fangzahlen, Ausbreitung)
  • Festlegung der betroffenen Räume und Zonen
  • Entscheidung über die geeignete Bekämpfungsmethode
  • mechanisch
  • thermisch (Hitze)
  • kombiniert mit gezieltem Biozideinsatz, wenn notwendig


   2. Vorbereitung durch den Kunden

  • Der Kunde erhält klare und verbindliche Anweisungen, z. B.:
  • Textilien (Bettwäsche, Kleidung, Vorhänge) bei mindestens 60 °C waschen
  • Nicht waschbare Gegenstände luftdicht verpacken
  • Betten freistellen und zugänglich machen
  • Keine Möbel entsorgen oder umstellen ohne Rücksprache
  • Keine eigenen Sprays oder Mittel einsetzen
  • Es würde ein klarer Maßnahme Plan erstellt und dem Kunden übergeben werden


4. Schritt

Die Behandlung erfolgt bei uns vorrangig über den gezielten Einsatz von Hitze. Je nach Befallssituation kann dies punktuell oder als komplette Raumbehandlung durchgeführt werden.

  • Bei lokal begrenztem Befall wird gezielte Hitze eingesetzt, z. B. mit Heißdampf oder speziellen Heizsystemen an bekannten Verstecken wie:
  • Bettgestell und Matratzen
  • Polstermöbeln
  • Fußleisten, Ritzen und Wandanschlüssen
    Dadurch werden lebende Bettwanzen sowie Eier sofort abgetötet.
  • Bei stärkerem oder weiter verbreitetem Befall erfolgt eine vollständige Raumhitzebehandlung:
  • Erhitzung des gesamten Raumes auf über 50–60 °C
  • Gleichmäßige Temperaturverteilung durch professionelle Heizgeräte und Ventilatoren
  • Permanente Temperaturüberwachung
  • Sichere Abtötung aller Entwicklungsstadien (Eier, Nymphen, adulte Tiere)
  • Chemiefreie, umweltfreundliche und hochwirksame Methode


Die Hitzebehandlung ist nach dem aktuellen Stand eine der zuverlässigsten Methoden gegen Bettwanzen und entspricht dem Grundsatz des integrierten Schädlingsmanagements, da sie ohne Biozide auskommt.


Eine Nachbehandlung mit Bioziden erfolgt nur dann, wenn sie fachlich notwendig ist, zum Beispiel:

  • bei schwer zugänglichen Hohlräumen
  • bei starkem oder lang bestehendem Befall
  • wenn das Monitoring nach der Hitzebehandlung noch Aktivität zeigt


Dabei gilt:

  • Einsatz ausschließlich zugelassener Biozidprodukte nach EU-Biozid-Verordnung (EU Nr. 528/2012)
  • Anwendung nur punktuell in Verstecken und Laufwegen
  • keine flächendeckende Sprühbehandlung
  • sachkundiger, dokumentierter Einsatz


So kombinieren wir:

  • maximale Wirksamkeit durch Hitze
  • minimale chemische Belastung
  • höchste rechtliche Sicherheit
  • nachhaltigen Schutz für Mensch und Umwelt


  • Bettwanzen (Cimex lectularius)

    • Größe: ca. 4–6 mm, vollgesogen bis zu 8 mm
    • Farbe: braun bis rotbraun, nach Blutmahlzeit dunkler
    • Körperform: flach, oval, ohne Flügel
    • Gewicht: sehr gering, nur wenige Milligramm
    • Vorkommen: Schlafzimmer, Betten, Matratzen, Lattenroste, Polstermöbel, Sofas, Nachttische, Schränke, Fußleisten, Steckdosen, Tapetenränder, Hotels, Pensionen, Unterkünfte, Wohnungen
    • Versteckplätze: Matratzen- und Polsternähte, Ritzen und Spalten, hinter Bildern und Steckdosen, in Möbelkanten und Holzverbindungen
    • Nahrung: ausschließlich Blut von Menschen & in seltenen Fällen auch Blut von Haustieren
    • Aktivität: nachtaktiv, verstecken sich tagsüber, werden durch Körperwärme und CO₂ angezogen
    • Vermehrung: Weibchen legt bis zu 5 Eier pro Tag / bis zu 200–500 Eier im Leben
    • Entwicklungszeit vom Ei zur ausgewachsenen Wanze: ca. 5–8 Wochen / schnelle Vermehrung bei optimalen Bedingungen
    • Lebensdauer: mehrere Monate bis über 1 Jahr & können monatelang ohne Nahrung überleben
    • Gefahr für den Menschen: keine bekannten Krankheitsüberträger, verursachen juckende Stiche, Hautrötungen, Quaddeln, Entzündungen, mögliche allergische Reaktionen, Schlafstörungen und psychische Belastung, starke Einschränkung der Lebensqualität
    • Bedeutung: hygienischer Schädling, breitet sich unbemerkt aus